City Linkage – Art and Culture Fostering Urban Futures

26/07/2016

Wie möchten wir zusammenleben? Auf welche Weise können sich Bürger direkt an der Stadtpolitik beteiligen? Wie können wir Städte lebenswert gestalten? Angesichts rapider Veränderungen unserer Städte infolge von Klimawandel und Globalisierung sind diese Fragen wichtiger denn je. Welche Rolle spielen Künstlerquartiere und selbstorganisierte kulturelle Projekte bei der Suche nach Lösungen für die Stadt der Zukunft?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen befasst sich die englischsprachige Publikation mit dem Beitrag von selbstorganisierten Kulturprojekten und Kunsträumen für eine zukunftsfähige Stadt. Dabei lassen die Autoren die Debatten um „creative cities“ und die „creative class“ hinter sich und eröffnen eine neue Perspektive: Selbstorganisierte Kunst- und Kulturprojekte stärken die Resilienz von Städten.

Beispielseiten und Verlagsankündigung (englisch)

City Linkage versammelt Positionen von Forschern und Praktikern. Es enthält theoretische Grundlagentexte und stellt Praxisbeispiele vor. Die thematische Transdisziplinarität wird durch die Gestaltung der Publikation noch erweitert: Das Buch ist mit zahlreichen Kunst- und Momentaufnahmen des City Link Festivals in Hamburg bebildert, worauf die Publikation zurückgeht. Inhaltlich knüpft das Buch an den internationalen City Link Kongress "Cities, Culture and Sustainability" an.

City Linkage richtet sich an Künstler, Kuratoren, Aktivisten, Theoretiker, Studierende und Vertreter von Stadtverwaltungen. Die Publikation wurde von der Kulturbehörde Hamburg gefördert und von Michael Ziehl (urban upcycling), Carsten Rabe und Till Haupt herausgegeben.

"Sehr geschickt und produktiv wird dabei der Begriff der Resilienz gegen den ausgelutschten und längst vereinnahmten Nachhaltigkeits-Diskurs in Stellung gebracht und am Beispiel künstlerischer Arbeit und deren Selbtsorganisation durchdekliniert. Vor allem der Beitrag von Sacha Kagan schafft es sehr gewinnbringend zu zeigen, dass es eine Alternative zu urbaner Entwicklung im Korsett neoliberaler Interessen gibt und wie die Vermarktungslogik der Creative City durch ein Umdenken von Nachhaltigkeit zu Resilienz positiv gewendet werden kann. Resilienz wird hier als kreativer Prozess verstanden, der sich von dem Kreativitätsdispositiv (Reckwitz 2012) emanzipiert und im Gegenteil wieder neue Möglichkeitsräume öffnet. (...)

Eben jene Möglichkeitsräume verbinden auch die Teils sehr unterschiedlichen Texte. Sie illustrieren anschaulich, wie Alternativen nicht nur erdacht sondern  im Realversuch auch getestet werden können. Der Prekarisierung durch den Rückzug sozialstaatlicher Verantwortung werden neue Handlungsmöglichkeiten entgegengestellt: So die selbst organsierte Farm in Hong Kong die Elke Krasny in ihrem Beitrag als Beispiel des Hands-On-Urbanism beschreibt. Oder die alternative Entwürfe von Architekturkollektiven wie EXYZT, Coloco, Ecosistema Urbano und raumlabor berlin im Text von Levente Polyák, die von einem Umdenken weg von manifesten hin zu temporären Lösungen zeugen um so Potentiale überhaupt erst einmal aufzudecken. (...) Die Gegenwart erfordert neue Kooperationen und Narrative wie Oleg Koefoed an mehreren Beispielen aus Kopenhagen deutlich macht. Dass dieser Ansatz nur dann gelingen kann, wenn sich neue Kommunikationsstrukturen etablierten, es jedoch nachwievor an einer entsprechenden Struktur für die Kooperation diverser Stakeholder im Urban Management mangelt, zeigt Michael Ziehl am Beispiel des Gängeviertels in Hamburg. (...)

Die große Stärke dieser Publikation liegt in ihrer Unschärfe der Zielgruppe. Sie spiegelt damit Problem und Potential der Arbeit an Schnittstellen gleichermaßen wider. Denn zwischen allen Stühlen zu sitzen, ist einerseits anstrengend, andererseits liegt im Dazwischen aber auch eine große Chance: nur hier können neue ungewohnte Allianzen und alternative Narrative entstehen. Damit diese nachhaltig verankert werden und zu Lebenswirklichkeit werden können, braucht es neue, alternative Aneignungs-, Beteiligungs- und vor allem Vereinbarungskulturen, wie alle Beispiele zeigen. Die häufig von Künstlerinnen und Kulturschaffenden angestifteten Prozesse um Möglichkeitsräume aufzudecken, zu halten und zu verteidigen verlangen nach einer Struktur, die der Logik behördlicher Unbeweglichkeit entgegensteht. An den diversen bereits erprobten und teils wieder verworfenen Strategien lässt sich daher viel lernen."

Auszug der Rezension von Hilke Berger (erschienen in dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Okt – Dez 2016).