Flipchart Lawaetz

Workshop zu Leerstand und Zwischennutzungen

24/07/2014

 

Beschreibung

Der Workshop widmete sich der Zwischennutzung von Leerständen und fand im Rahmen der Tagung „Leerstand und Zwischennutzungen“ am 03. Juli 2014 im Kolbenhof in Hamburg-Altona statt. Hintergrund uns Anlass für die Veranstaltung ist die Zunahme von leerstehenden Immobilien auch im norddeutschen Raum:

Der längerfristige Leerstand von Immobilien bildete sich in den vergangenen Jahren in zahlreichen norddeutschen Kommunen zu einer grundlegenden Herausforderung der Stadtentwicklung heraus. Zwischennutzungen spielen als ein Lösungsansatz zunehmend eine wesentliche Rolle.

Am ersten Tag stellten verschiedene Experten unterschiedliche Zwischennutzungsformate vor. Zunächst gab Janin Walter einen Überblick über Projekte vor allem aus Berlin. Anhand der Beispiele veranschaulichte sie, dass mit dem Begriff Zwischennutzungen sowohl sehr kurzzeitige Nutzungen als auch alternative Projektentwicklungen bezeichnet werden können, was sich auch in den nachfolgenden Vorträgen bestätigte. So berichtete Prof. Bernd Kniess von der HafenCity Universität Hamburg von der „Restnutzung“ eines für den Abriss vorgesehenen Verwaltungsgebäudes in Wilhelmsburg als Universität der Nachbarschaften. Tom Lecke-Lopatta vom Senator für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr Bremen berichtete von der ZwischenZeitZentrale Bremen. Die öffentlich geförderte Zwischennutzungsagentur berät Zwischennutzer, vermittelt Immobilien und Brachflächen aus privater und öffentlicher Hand. Des Weiteren initiiert sie Projekte sowohl in innerstädtischen wie auch in peripheren Stadtgebieten. Anhand von Projektbeispielen erläuterte Lecke-Lopatta die von der Stadtverwaltung intendierten Auswirkungen auf Quartiersebene. Auch der Geschäftsführer der Hamburger Kreativgesellschaft Egbert Rühl stellte mehrere Projekte vor. Im Vergleich zu Bremen wurde deutlich, dass die Hemmnisse und Chancen von Zwischennutzungen stark vom lokalen Immobilienmarkt abhängen. Außerdem geht es bei der Hamburger Einrichtung weniger um die Quartiersentwicklung, als um die Förderung von Kreativ- und Kulturschaffenden. Eine Ausnahme ist der Transformationsprozess des Oberhafens in der HafenCity zum „Kreativquartier“.

Der zweite Tag begann mit einem Vortrag von Anne Wagner. Sie stellte vor allem Projekte aus Kopenhagen vor. Im Anschluss fanden zwei Workshops statt. Die von Michael Ziehl (urban upcycling) und Kristina Sassenscheidt moderierte Gruppe folgte zunächst den Inputvorträgen von Margit Bonacker (konsalt, Hamburg), Sylvia Henze (AfdK – Ateliers für die Kunst, Hamburg) und Thomas Weyland (OrgBeratung, Wuppertal), bevor die Teilnehmenden selbst zu Wort kamen und ihre eigenen Prozesserfahrungen einbringen konnten. In der Diskussion wurden folgende “Erfolgsfaktoren”, “Hürden” und „Handlungsempfehlungen“ für Zwischennutzungen zusammengestellt:

 

Erfolgsfaktoren

– Vertrauen

– Kommunikation mit dem Eigentümer

– Kommunikation mit Nachbarn und Beteiligung von Bürgern

– “Lotsen” bzw. Zwischennutzungsagenturen

– politischer Wille und Unterstützung durch die Stadtverwaltung

– experimentelle Planungsprozesse

– mittel- bis langfristige Entwicklungsperspektiven

– rechtliche Sicherheit für beide Seiten (z.B. über Vertragsvorlagen)

 

Hürden

– Misstrauen gegenüber Zwischennutzern von Seiten der Eigentümer und der öffentlichen Verwaltung

– Gegenseitiges Unverständnis zwischen Eigentümern und Nutzern

– Baurecht (Brandschutz, Verkehrssicherheit, Stellplätze etc.) und Planungsrecht (v.a. Nutzungsform)

– Renditeerwartung

– Verwertungsdruck

 

Handlungsempfehlungen

– Es sollte eine Bundesinitiative zur Begrenzung von Gewerbemieten gestartet werden

– Es bedarf einer sozialorientierten Liegenschaftspolitik

– Nicht monetäre Renditen sondern „Stadtrenditen“ sollten der Maßstab für Politik und Verwaltung sein

– Stadtplaner und Verwaltungsangestellte sollten systematisch in Sachen Zwischennutzungen ausgebildet werden

–  Es sollte ein staatlicher Fonds für Zwischennutzungen eingerichtet werden

– Ungenutzte staatseigene Immobilien sollten zwischen genutzt werden, nicht zuletzt als best-practice-Vorbild, um auch private Eigentümer zu aktivieren

– Temporäre, nicht-kommerzielle Raumnutzungen sollten langfristig gesichert werden

– Zwischennutzungen von Leerstand müssen für Eigentümer attraktiv gemacht werden, etwa indem Leerstand besteuert wird

– Genossenschaften sollten durch vergünstigte Miet- und Kaufkonditionen gefördert werden

– Es sollte mehr auf Transparenz bei der Liegenschaftspolitik geachtet werden

– Es bedarf klarer Ansprechpartner für Zwischennutzungen auf Seiten der Verwaltung, die auch mit den notwendigen Kapazitäten und Entscheidungsbefugnissen ausgestattet sind

– Über städtebauliche Verträge mit Investoren sollten Kompensationsleistungen vereinbart werden, um Zwischennutzungen zu fördern

– Durch die Anhandgabe von Räumen an Zwischennutzer können Nutzungen getestet und im Erfolgsfall verstetigt werden

– Nutzungsänderungsanträge und Genehmigungsverfahren für zeitlich begrenzte Nutzungen sollten deutlich vereinfacht werden.

 

Verantwortliche und Förderer

Die Tagung „Leerstand und Zwischennutzungen“ war ein Projekt der Johann Daniel Lawaetz-Stiftung in Kooperation mit verschiedenen europäischen Partnern im Rahmen des Programms SEEDS – Stimulating Enterprising Environments for Development and Sustainability der Europäischen Union.